Zusammenfassung Geschichte
Die Erschütterung der frühen dreissiger Jahre
Nach dem Sieg über Napoleon und seiner Verbannung auf eine einsame Insel kam in Frankreich Ludwig XVIII auf den Thron. Seine Politik war ein Mittelkurs zwischen reaktionär und dem Beibehalten einiger revolutionärer Errungenschaften. Sein Nachfolger Karl X entschied sich aber für eine gegenrevolutionäre Politik. Im Juli 1830 löste er das Parlament auf und traf eigenmächtig reaktionäre Entscheidungen. In Paris brachen Unruhen aus und Karl X musste nach drei Tagen der Kämpfe fliehen. Die siegreichen Revolutionäre der Juli-1830-Revolution setzten Louis-Philippe auf den Thron und gaben dem ganzen französischen Besitzbürgertum das Wahlrecht. Die Monarchie beruhte auf revolutionärem Ursprung. Sie wurde als Bürgerkönigstum bezeichnet. Aber auch Louis-Philippe kehrte zum Absolutismus zurück und provozierte damit 1848 mal wieder eine Revolution.
Auswirkungen der Juli-Revolution
Die Liberalen Europas wurden durch die erfolgreiche Julirevolution in Paris angestachelt. Sie wollten das System der Restauration nuken und verursachten deshalb zahlreiche lokale Unruhen. In Schweiz war die „Regeneration“ wegen dem Widerstand der konservativen Kantone nicht erfolgreich. In Polen führte der Versuch einer Revolution zu seiner Auslöschung durch Russland. In Belgien waren die Liberalen erfolgreich, Belgien wurde mit der Hilfe Englands 1831 unabhängig.
Britische Parlamentsreform
Durch Migration und ein veraltetes Wahlrecht waren die Städter im Vergleich zu reichen Grossgrundbesitzern aus „rotten boroughs“ im Unterhaus krass untervertreten. Um 1800 forderte die Whig-Partei eine Reform des Wahlrechts, wurde aber als franzosenfreundlich verdammt. Die Franzosen galten als böse, weil gegen die Revolution und Napoleon 20 Jahre Krieg geführt wurde. Erst 1830 kamen die Whig und Reform-Torries wieder an die Macht und führten eine Parlamentsreform durch. Das Unterhaus wurde zur Vertretung der „upper-middle-class“. Dann folgten verschiedene liberale Reformen, wie die Abschaffung der Sklaverei. Die Arbeiter bleiben aber unbeachtet und benachteiligt. Sie bildeten eine Chartistenbewegung (People‘s Charter = Volksverfassung). Das schien der Anfang einer Revolution zu sein, aber dann wurden die Chartisten industriefeindlich, gewalttätig und zerstörten sich. Die Regierung war einsichtig und erliess einige Arbeiterfreundliche Gesetze. Ausserdem ging sie zum Freihandel über, was einen industriellen Aufschwung brachte. Wegen diesen Reformen blieb England verschont von den 48er Revolution.
Die 48er Bewegung
Der Sonderbundkrieg Ende 1847 öffnete den Weg zur Umgestaltung der Schweiz in einen liberalen Bundesstaat. Anfang 1848 brach in Neapel eine erfolgreiche Revolution aus. Diese beiden Ereignisse feuerten die liberalen und nationalen Bewegungen an. Das Restaurationssystem von 1815 geriet ins Wanken. In Paris wurde 1848 der Bürgerkönig Louis-Philippe wegen seiner reaktionären Politik abgesetzt. Eine provisorische, republikanische Regierung übernahm und genoss Anerkennung in den Provinzen.
Märzrevolutionen
Von Paris sprang der Revolutionsfunke auf Italien und Deutschland. Es kam zu Tumulten und die Fürsten kapitulieren fast kampflos. Sie versprachen liberale Erneuerungen des Staates. Diese Revolution blieben aber unvollendet, denn es regierten immer noch die selben Leute.
Deutsche Frage
Die Einzelstaaten Deutschlands hatten nach der Märzrevolution verfassungsgebende Parlamente. In der Frankfurter Pauskirche gab es aber auch eine gewählte Deutsche Nationalversammlung. Ausserdem gab es noch den „Deutschen Bund“ und der „Deutsche Zollverein“. Eine politische Einigung war aber noch illusorisch. Die Paulskirsche hatte kein Geld, keine Verwaltung und keine Armee. Nur die Einzelstaaten hatten. Die Einzelstaaten konnten nicht einfach weggefegt werden. Es gab auch noch Streit darüber, ob ein Grossdeutschland mit allen deutschsprachigen oder nur ein Kleindeutschland ohne die Österreicher gegründet werden sollte. Die Grossdeutschen waren in der Überzahl, waren aber noch in Monarchen und Demokraten gespalten. Es gab also keinen Beschluss.
Reaktion im Frankreich
Louis Blanc gründete staatliche Produktionsbetriebe. Diese kosteten aber zu viele Steuern und führte zu Hass auf den Sozialismus. Blanc und seine „Ateliers nationaux“ wurden entfernt. Das machte die Arbeiter aggressiv. Die Kammer übertrug deshalb die Führung dem brutalen General Cavaignac. In der „Junischlacht“ brachte er viele Menschen um und löschte die Arbeiterbewegung aus. Danach bekam der Präsident der Republik eine fast monarchische Stellung. Napoleon III kam an Macht und machte sich zum Kaiser.
Österreich und Italien
1848 schien das Habsburgerreich auseinanderzubrechen. Die Armee und führende Tschechen und Kroaten retteten es. Im Juli 1848 schlug General Radecky die Piemontesen und Lombarden und eroberte Mailand. 1849 besiegte er die Piemontesen wieder und eroberte Venedig. Die Franzosen richteten gleichzeitig in Rom den Gottesstaat wieder auf. Die Italienische Nationalbewegung war zerstört, denn Piemont war allein zu schwach gegen Österreich.
Reaktion in Deutschland
In Preussen wurde der König wieder sehr konservativ. Das Parlament wurde aufgelöst und so weiter. Das Bürgertum wehrte sich nicht, da es Angst vor den Demokraten und Sozialisten hatte. Der preussische König lehnte die kleindeutsche Krone ab, weil sie vom Volk und nicht von Gott war. Daher ging die kleindeutsche Lösung nicht und wegen der Reaktion in Österreich die grossdeutsche auch nicht. Die Nationalversammlung wurde aufgelöst. Millionen 48er emigrierten resigniert in die USA.
Ergebnisse der 48er Bewegung
Die Konservativen triumphieren über die Liberalen. Nur in wenigen kleinen Ländern konnten sich die Liberalen behaupten. Auch die nationalstaatliche Bewegung war zurückgeschlagen. Arbeiterbewegungen wurden gebildet, Napoleon III kam an die Macht und man ging zur „Realpolitik“ (Eisen und Blut) über.
Entstehung des Second Empire
1851 kam Napoleon III durch einen Staatsstreich an die Macht und wurde Kaiser. Er gründete das reaktionäre „Second Empire“. Die Sozialistenfurcht half seinem Aufstieg. Kirche, Grossbürgertum, Armee und Polizei unterstützten ihn. Die andern Monarchen misstrauten Napoleon III, weil er seine Legitimation beim Volk suchte.
Krimkrieg
Napoleon III brauchte aussenpolitische Erfolge. Also unterstützte er nationalstaatliche Bewegungen, weil diese gerade sehr populär waren. Er wollte Streit zwischen den Grossmächten verursachen. Er verursachte einen Krieg zwischen Russland und dem osmanischen Reich um ein kleines Problem in Jerusalem.
Russen, Engländer, Franzosen, Piemontesen kämpften gegen Osmanen. Österreich machte nicht mit, um keine Probleme mit den deutschen zu kriegen und machte sich damit unbeliebt. Rumänien bildete sich.
Französische Kolionalpolitik
Die Franzosen gründeten viele Kolonien. In Ägypten gruben sie den Suezkanal.
Die Einigung Italiens
Piemont hatte seine liberale 48er Verfassung beibehalten. Dank der Beteiligung am Krimkrieg konnte ein Militärbündnis mit Frankreich geschlossen. Zusammen vertrieben sie fast die Österreicher. Bald schloss Frankreich aber einen Waffenstillstand, weil ihm der italienische Nationalstaat doch nicht passte, da er Rom gefährden würde. Piemont konnte nicht alleine weitermachen, deshalb blieben viele italienischsprachige Gebiete unerobert. Der Volksheld Garibaldi wollte Rom erobern, wurde aber vom Piemont kurz vorher im Interesse der italienischen Sicherheit vor Frankreich gestopt. Italien wurde gegründet aber leider fehlten noch viele italienischsprachige Gebiete.
USA
Lange regierten die Reichen und Gebildeten die Union. Die Siedler im Westen forderten Demokratie. Jackson wurde zum Präsidenten gewählt und versuchte sein demokratisches Programm zu verwirklichen. Er trieb auch die Expansion gegen Westen voran.
Probleme in den
USA
Es gab wirtschaftliche Spannungen zwischen dem
Süden und dem Norden. Der Süden wollte Agrarprodukte
exportieren, während der Norden industrialisiert war und die USA
per Zoll abschliessen wollte. Im Süden war die demokratische
Partei. Sie war für die Rechte der Einzelstaaten. Im
Norden waren die Republikaner, welche die Union stärken
wollten.
Sezessionskrieg
Der Norden war gegen Sklavenhaltung, der Süden dafür. Der Norden würde mit der Zeit siegen, da er sich schneller vermehrte. Lincoln, Führer der Republikaner, wurde gewählt, weil die Demokraten keinen Kandidaten hatten. Die Südstaaten weigerten sich, ihn anzuerkennen und machten sich als „Confederate States of America“ selbständig. 1861 griffen die Südstaaten den Norden aus Hass an. Nach vier Jahren war der Süden besiegt und zerstört. Sklaverei wurde in der ganzen Union verboten. Der Süden hatte nachher schwere Probleme mit der Integration der Schwarzen. Im Norden gab es einen wirtschaftlichen Aufschwung. Jedenfalls wurde die Einheit der Union verankert.
Deutscher Krieg 1866
Bismarck besetzt das von Österreich verwaltete Holstein. Österreich will Widerstand leisten, aber unterstützt von Italien werden sie von den Preussen besiegt. Preussen gewinnt Gebiete und beherrscht jetzt die deutschen Staaten.
Mir
Bäuerliche Dorfgemeinschaften, die Geld an die früheren Herren zahlen müssen. Der Bauer kriegt ein Stück Land zur individuellen Nutzung zugewiesen aber der Mir macht regelmässige Umverteilungen.
Doppelmonarchie
Das habsburgische Reich wird 1867 (ein Jahr nach der Niederlage gegen Preussen) in zwei Hälften geteilt:
Transleithanien (Ungarn, von Magyaren dominiert)
Zisleithanien (Österreich)
Die beiden teilen den Kaiser, die Aussenpolitik und die Armee. Sonst sind sie unabhängig.
Dieses System wurde von Zeitgenossen als „Scheisse“ beschrieben und der Kaiser galt als „Mann ohne Eigenschaften“.
Von 1870 bis 1880 gab es viele Liberalisierungen. Die menschenverachtenden Ideen der rassischen Polarisierung beendeten dann den Liberalismus. Es gab z.B. die „Alldeutsche Bewegung“, den Panslawismus und die Judenverfolgung.
Die Austroslawen (Slawen im Habsburgerreich) sind nach der Spaltung zur Doppelmonarchie nicht mehr für die Erhaltung des Reichsverbandes. Sie wollen das Habsburgerreich auflösen und einen slawischen Staat gründen, weil sie sich mit den verwandten Slawen als eine romantische Gemeinschaft empfinden. Sie erhoffen sich Hilfe von Russland. Aber Russland will nur helfen, wenn es die Slawen dann beherrschen darf.
Die Bolschewiki unterstützten die unmittelbaren Ziele nur insoweit, als sie auf das revolutionäre Endziel hinführten. Die Menschewiki, die meinten, daß Rußland noch nicht reif für die Revolution sei, legten ihrerseits Nachdruck auf Reformen, besonders auf die Errichtung einer verfassungsmäßigen Regierung.
Narodniki
Eine Strömung gegen die autokratische Herrschaft und die rückständigen Verhältnisse in Russland. Ihre Utopie einer neuen Gesellschaft gründete sich auf Mir, die sie als Form des Urkommunismus interpretierten. Durch die Revolution wollten sie direkt den Sozialismus erreichen. Die Marxisten hielten den Umweg über den Kapitalismus für notwendig, damit das Land industrialisiert werden kann.
29.6 RUSSLAND
29.61 Politische Richtungen
Westler: In Russland geht die Entwicklung wie Europa, nur mit zeitlichem Rückstand. Sie wollen Industrialisierung. Diese Richtung führt zu liberalen, demokratische und marxistischen Strömungen.
Slawophile: „heiliges Russland“ – „fauliger Westen“. Führt zum russischen Nationalismus der Panslawisten und den Narodniki.
29.62 Lage um 1900
Die Befreiung der leibeigenen Bauern 1861 führt zu einer langen, schweren Agrarkrise. Die Wut der Bauern richtet sich gegen die Kulaken (Grossbauern) und den Staat.
Die Regierung unterdrückt die Unzufriedenen mit Polizeigewalt. Dies führt zu einer radikalisierung der Opposition, Attentaten und Bauernaufständen. Die Regierung unterdrückt stur weiter. Sie versucht auch, die Bevölkerung mit nationalistischen Gefühlen, Judenverfolgung und aussenpolitischen Erfolgen zu beruhigen. Die russische Expansion gegen Osten führt jedoch zum Krieg und der Niederlage gegen Japan. Dies verstärkt die revolutionäre Gärung.
29.63 Revolutionswelle von 1905
Viele Unruhen jetzt auch in der Armee. Spontan bilden sich lokale Sowjets (Räte). Die Regierung bekommt jedoch die Macht zurück weil:
Revolutionäre keinen Führer und kein Ziel haben.
Westler lassen sich durch Scheinzugeständnisse beruhigen.
Ende des Japankrieges bringt Truppen zur Unterdrückung.
29.64 Oktoberverfassung
Der Zar Nikolaus II erlaubte während der Revolutionswelle eine Volsvertretung, die Duma. Ein Jahr später wurde die Macht der Duma schon wieder stark beschränkt. Die Oktoberverfassung ist nur ein Mittel, um den neuen Absolutismus zu verhüllen. Die Oktobristen sind damit einverstanden, aber sie sind eine Minderheit. Die Kadetten (Konstitutionell-Demokratische Partei) fordern eine Nationalversammlung.
29.65 Lenins neue Revolutionstheorie
Lenin erkennt die Nützlichkeit der Sowjets und sieht in ihnen nicht nur eine anarchische Erscheinung. Ausserdem will er, dass sich das Industrieproletariat mit dem revolutionären Bauerntum vereinigt und die bäuerlichen Forderungen unterstützt werden. Diese Vereinigung gelingt erst im ersten Weltkrieg.
29.66 Stolypins Agrarreform
Ministerpräsident Stolypin will mit einer Agrarreform die Ursache der Revolution beseitigen indem er die Mir auflöst. Allerdings führt auch dieser Reformversuch zu noch mehr Unruhen und auch zum Mord an Stolypin. Mitten in den Reformen kommt tritt Russland in den ersten Weltkrieg.
30. Imperialismus
30.11 Definition
Die Zeit um 1875/80 ist das Zeitalter des Imperialismus.
30.12 Geistesgeschichtliche Deutungen
Imperialismus ist eine Folge des Nationalismus, des Glaubens an die Überlegenheit des eigenen Volkes. Er wird von Antisemitismus begleitet. Der Imperialismus wird auch von der Idee des Sozialdarwinismus geprägt.
30.13 Ökonomische Imperialismustheorie
Der Imperialismus wird als höchstes Stadium des Kapitalismus bezeichnet. Die Steigerung der industriellen Produktionskapazität führt zu einem Kampf um Absatzmärkte und Rohstoffquellen. Diese werden ausserhalb der Staatsgrenzen, in Kolonien, gesucht.
30.14 Theorie des Sozialimperialismus
Das gründen von Kolonien dient nur dem Besänftigen der Bevölkerung. Ihr Lebensstandard kann auf Kosten der Kolonienbewohner gesteigert werden. Der Fokus der Politik wird auf die Aussenpolitik gerichtet, um von inneren Krisen abzulenken.
30.2 STOSSRICHTUNGEN DES IMPERIALISMUS
30.21 Grossbritannien
Ausbau der Herrschaft über Indien:
Neuer Seeweg nach Indien (Mittelmeer – Suezkanal – Rotes Meer)
Ganzes östliches Afrika und indischen Ozean beherrschen
Zentralasiatische Hochländer kontrollieren (Schutzwall für Indien)
Bis 1914 kam GB der verwirklichung dieser Ziele sehr nahe.
30.22 Russland
Ostasien (Ostsibirien, Mandschurei, Korea)
Zentralasien (Persien, Afghanistan)
Region Türkei und Griechenland
Russland will die Nachbarregionen erobern.
30.23 Frankreich
Geschlossenes Herrschaftsgebiet über Westafrika
Indochinesisches Kolonialreich (Kambodscha, Laos, Tongking)
30.24 Deutsches Reich
Bismarck will sich lange nicht für Kolonien einsetzen. Erst nach Bismarcks Absetzung wird voll kolonialisiert. Leider etwas zu spät, die Welt ist schon fast völlig besetzt. Die Deutschen fühlen sich benachteiligt.
Sie versuchen in der Nähe und mit der Hilfe der Türkei zu arbeiten. Einige Politiker denken sich, dass man besser Europa „kolonialisieren“ sollte, da die Überseegebiete schon vergeben sind. Dies ist vermutlich der Auslöser für den zweiten Weltkrieg.
30.25 Japan
Da Japan gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch industrialisiert war, erobert es mal etwas China. Da gab es aber den Widerstand Europäer. Trotzdem hatte Japan militärisch Erfolg gegen Russland und China.
30.26 Italien
Sie versuchten Nordafrika zu kolonialisieren, erlitten aber schwere militärische Niederlagen.